Der Journalismusworkshop beim HSTT

Im Rahmen des Hessischen Schultheatertreffens findet seit inzwischen drei Jahren ein Begleitprogramm statt, das sich der Tatsache verpflichtet fühlt, dass Theater in der Schule nicht nur das Spiel und die Aufführung sind, sondern auch und in gleichem Maße die Reflexion von Theater.

Von Anfang an war uns, den Festivalverantwortlichen des Landesverbands Schultheater in Hessen e.V., klar, dass das nicht allein in Form von Texten passieren soll, sondern vor allem durch Bilder, denn letztlich erzählt und wirkt Theater vor allem durch Bilder.

Bei der Suche nach Partnern fand sich der offene Kanal Fulda, der uns nun seit einigen Jahren intensiv unterstützt, indem er uns ein mobiles Filmstudio mit drei Kameras, Laptop-Schnittplätzen, Stativen, Mikrofonen u.v.m. zur Verfügung stellt. Die Beherrschung dieser professionellen Technik stellte uns vor Herausforderungen. Unser Workshop, der sich 2015 noch auf Rezensionen und Fotos beschränkte, wurde zu einem theoretischen, aber vor allem praktischen Seminar für Filmproduktion. In kürzester Zeit werden die Teilnehmenden in die Lage versetzt ästhetisch ansprechende und inhaltlich fundierte Mitschnitte zu produzieren. Weil die Ergebnisse von Anfang an so überzeugend waren, beschlossen wir, diesen neuen Schwerpunkt auszubauen. Dazu gehörte auch die noch stärkere Nutzung des Netzwerks des Landesverbands Schultheater in Hessen e.V.. In der Geschäftsstelle wurden Ressourcen auf der Homepage freigestellt, die es ermöglichen, die Ergebnisse des Workshopteams in einem Blog zu veröffentlichen. Eine Kollegin aus dem Vorbereitungsteam des Hessischen Schultheatertreffens wurde mit der Aufgabe betraut, den Prozess von der Bewerbung und Jurierung der Journalismusgruppe bis zur Veröffentlichung der Beiträge zu moderieren. Die Moderation der Kollegin ermöglicht den Teilnehmenden selbstständig ein Redaktionsteam zu bilden, Aufgabenstellungen für Berichte zu generieren, Interviews zu planen, Beiträge zu veröffentlichen u.v.m.. 

Durch einen Kontakt, der sich aus einer Werkstatt des Landesverbands Schultheater ergab, kam im vergangenen Jahr dann eine freiberufliche Medienpädagogin hinzu, die zum Teil über den Schultheaterförderpreis der Sparkassen Kulturstiftung finanziert werden konnte. Mit dieser Mitarbeiterin entstand gerade im Hinblick auf die Nutzung der Möglichkeiten der technischen Ausstattung aus Fulda eine ganz neue Qualität. Jetzt rückte die Bild- und Filmästhetik stärker in den Mittelpunkt und es entstanden Trailer der Stücke, die tatsächlich einen intensiven Eindruck davon vermitteln, wie die Theaterstücke wirken. 

Insgesamt hat sich im Verlauf der letzten Jahre damit eine Eigendynamik entwickelt, die dieses Angebot von der ursprünglichen Intention über Theater zu schreiben zu einem medienpädagogischen Workshop hat werden lassen. Die Einbettung in das Festival ist dabei unverzichtbar. Denn die Workshopteilnehmenden empfinden sich als Teil eines übergreifenden Kontextes, für den sie eine bedeutende Rolle spielen. Sie arbeiten unter „echten“ Produktionsbedingungen, denn das Ziel ihrer Berichterstattung ist, dass dieses Material wieder zum Anknüpfungspunkt für die Nachbesprechungen der Spieler der Theaterstücke wird. Tatsächlich ist es im vergangenen Jahr schon möglich gewesen, fertige Trailer und anderes Material zwei Stunden nach der Aufführung im Blog zu veröffentlichen. Die Teilnehmer des Festivals greifen mit ihren Mobiltelefonen darauf zurück und es entstehen angeregte Diskussionen über die Stücke.

Aber natürlich geht die Veröffentlichung der Trailer weit darüber hinaus. Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Verwandte und viele andere Theaterinteressierte greifen auf den Blog zum HSTT zu. Einzelne Beiträge des Blogs haben innerhalb von zwei Wochen nach dem Festival bis zu 1000 Aufrufe verzeichnen können.

Mehr in dieser Kategorie: « Technik- und Journalismusteam