This image for Image Layouts addon

A1 Kartoffelkanaken

„Wir sind alle Menschen“, so lautet die Botschaft des Stücks „Kartoffelkanaken“, aufgeführt vom Darstellenden-Spiel-Kurs der Carl-Schomburg-Gesamtschule aus Kassel. Es handelt von der Integration verschiedener Kulturen in Deutschland. In dem Theaterstück werden Vorurteile und das Zusammenleben von „Kartoffeln“ (Deutschen) und „Kanaken“ (Ausländern)  geschildert. Die Idee für das Stück entstand durch die interkulturellen Verhältnisse innerhalb des Kurses.

 Das Besondere an der Aufführung ist der persönliche Bezug der Schülerinnen und Schüler zu den gezeigten Inhalten. Die biographische Aufführung beginnt mit der Darstellung der „Flucht“ aus den Heimatländern der Schüler, wie Syrien, Mazedonien, Afghanistan, Portugal, Türkei und Bosnien. 

 Das Publikum bedenkt die Inszenierung mit großem Applaus. Besonders positiv aufgenommen werden die humorvolle Darstellung der deutschen Bürokratie, der Einsatz vieler verschiedener Landessprachen und die Vorurteile über die Deutschen selbst. Uns persönlich hat das Stück an das gestrige Abendessen erinnert - es gab Kartoffeln mit Quark. Zumindest werden hier in Schlitz die Klischees gegenüber den Deutschen erfüllt.

Leonie & Beyza

This image for Image Layouts addon

ICH und ich

Publikum, Ensemble und ich?

Das Stück der Albert-Einstein-Schule aus Groß-Bieberau klingt vielversprechend: „ICH und ich“ - erfahre ich endlich wie ich sein muss? Mal sehen, was die Schauspieler mir so erzählen. Dann der große Schock, ich bekomme keine Antworten, sondern stattdessen Fragen und das Publikum ist mitten im Stück. Diese spezielle Form des Theaters - auch Performance genannt - zeichnet sich dadurch aus, dass oft nur das Setting gegeben ist und die Schauspieler immer sich selbst und keine Rollen spielen. Weiterhin wird vieles während der Inszenierung improvisiert und häufig das Publikum mit einbezogen.
Darüber schwebt meist ein bestimmtes Thema - in diesem Stück ist das die Selbstfindung und die Manipulation der Selbstwahrnehmung durch Social-Media. Wer bin ich? Soll ich zeigen wer ich bin? Darf ich so bleiben wie ich bin? Bin ich so gut wie ich bin? Wer sagt mir wie ich sein muss?

Das Thema der Aufführung wird durch kontinuierliche Fragen und Interaktionen mit dem Publikum erarbeitet. Dabei kommt immer wieder ein selbstverliebter Narziss - ursprünglich aus der griechischen Mythologie - projiziert auf unser heutiges Selbstbild und unsere Gesellschaft vor. Besonders spannend für uns war dabei die aufgeschlossene und selbstbewusste Reaktion des Publikums auf die immer wieder aufkommenden Fragen und Interaktionen. Die Botschaft, die das Ensemble am Ende transportieren möchte lautet, „FUCK OFF!“ an alle externen Beeinflussungen.

An der gelungenen Inszenierung war für uns besonders interessant, dass das Stück auf Fragen aufmerksam macht, die man im Alltag und im Umgang mit sozialen Medien eher verdrängt, anstatt das eigene Verhalten zu hinterfragen. Auch dies ist ein Merkmal des modernen Performance-Theaters, es wirft mehr Fragen auf, als es für den Zuschauer beantwortet.

Niklas, Amelie

This image for Image Layouts addon

Die Räuber

Die Räuber reloaded – Altbekanntes in neuem Gewand

Die Räuber von Friedrich Schiller, gespielt von 16 Schülerinnen und Schülern der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule in Homberg/Efze – ein bekanntes Stück, von dem man eigentlich nicht viel Neues erwartet. Was die Zuschauer dann aber zu sehen bekommen, ist eine sehr moderne Umsetzung mit vielen chorischen Elementen, Rollensplitting, Rollenswitching und Interaktion mit dem Publikum. Auch choreografisch und musikalisch bekommt das Publikum einiges geboten – bis hin zum Einsatz eines wertvollen Konzertflügels.

 Als unerfahrener Zuschauer muss man sehr aufmerksam bleiben, um dem Stück gut folgen zu können. Die Schülerinnen und Schüler wechseln fließend ihre Rollen, teilweise sogar mitten im Satz, und der Protagonist ist durchgängig nur an einer Krawatte erkennbar. Sobald man sich aber an die Darstellung gewöhnt hat, fängt das Stück an, viel Freude zu bereiten.

 Man sieht, wie filigran die Szenen aufeinander abgestimmt sind, wie harmonisch die chorischen Elemente zusammenwirken und wie nahtlos die Inszenierung funktioniert. Das Ensemble agiert mit hoher Energie, die sich auf das Publikum überträgt und die Emotionen der Figuren kommen spürbar an. Nach 45 Minuten findet das Stück sein dramatisches Finale und das Publikum bedenkt die Inszenierung mit viel Applaus.

 Leonie & Maria

This image for Image Layouts addon

A4 Antigone

Antike, Moderne und Antigone

Die Inszenierung „Antigone - Revisited!“ der Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums aus Frankfurt-Höchst schickt den klassischen Stoff von Sophokles’ „Antigone“ durch eine Zeitreise. Das Stück beginnt im antiken Setting mit Gewändern und Masken, wobei es sich im Laufe der Handlung bis in das Social-Media Zeitalter bewegt.

Für uns als Zuschauer wirkt das Stück gleichermaßen beängstigend wie Mitleid erregend. Einerseits wird die einschüchternde Wirkung durch das Auftreten des Ensembles im Stil einer Gang erzielt. Andererseits wird dem Zuschauer die Figur der Antigone emotional näher gebracht, indem die Motivation für ihr Handeln verdeutlicht wird.

In Erinnerung bleiben besonders die starken Bilder des Stücks, die emotional tiefgehenden Monologe und die chorisch exzellent getimten Momente. Das Bild von Antigone aus der Antike funktioniert auch in der Gegenwart erstaunlich gut.

Lotte & Niklas

Interview

Drei Tage, Schüler und Schülerinnen aus den Klassenstufe 9 bis 12 und die besten Theaterstücke aus ganz Hessen. Genau das beschreibt das diesjährige Hessische Schultheatertreffen.

Eins dieser in vielerlei Hinsicht beeindruckenden Theaterstücke führte der Darstellendes Spiel-Grundkurs des Abiturjahrgangs des Friedrich-Dessauer-Gymnasiumsaus Frankfurt am Main in Schlitz auf.

Das Journalismus-Team des HSTT, das die Theaterstücke mit der Kamera aufnimmt und den Blog aufrechterhält, hat die Kursleitung Uta Miehe sowie die Schülerin Rümeysa Özdem um ein Interview gebeten und sie über das Theaterprojekt „Antigone - Revisited“, das in der Antike bis hin zur heutigen Zeit spielt, befragt.

Auf die Frage, wie sie auf die Idee für das Stück gekommen sind, antworten sie, dass Uta Miehe den Schüler*innen die Geschichte der Antigone vorgestellt hat und sie sich dafür entschieden haben. Frau Miehe hat den Schülern außerdem auch die HSTT vorgestellt, worauf sie einstimmig entschieden haben, sich zu bewerben trotz des Abiturstresses. Die darauffolgende Zusage hat für den positiven Stress gesorgt, wie Uta Miehe gerne sagt. Wochenenden wurden geopfert, aber alles zahlte sich am 16.Juni aus, denn das Friedrich-Dessauer-Gymnasium lhat eine beeindruckende Performance hingelegt.

Rümeysa Özdem hat dem Journalismus-Team ebenfalls mitgeteilt, dass sie den bisherigen Aufenthalt genossen hat, genauso wie die Atmosphäre in Schlitz, eine kleine Stadt in der Nähe von Fulda. Uta Miehe ist zudem sehr angetan von den davor aufgeführten Stücken.

 Eines der besten Theaterprojekte aus Hessen, aufgeführt von Schülern und Schülerinnen aus Frankfurt und eine eindrucksvolle Aufführung. Herzlichen Glückwunsch!

 Abdia Haji 

This image for Image Layouts addon

A5 Im Kühlschrank brennt noch Licht

Wenn das Essen zum Leben erwacht

 Das Stück 'Im Kühlschrank brennt noch Licht' des Theatermoduls der Max-Kimsee-Schule beeindruckt das Publikum mit selbstgemachten Kostümen, Requisiten und selbst komponierten Liedern. Inhaltlich handelt es vom Zusammenleben der Lebensmittel, wenn die Kühlschranktür geschlossen ist.

Die Schauspieler unterhalten mit Videos und Livedarstellungen, die einander ergänzen, und die Vorstellung zu einem einmaligen Erlebnis machen. Zum Beispiel erfährt man die Geschichte eines zurückgelassenen Schokonikolaus', während auf die Wand ein kleiner Comic projiziert wird oder lernt die Leberwurst kennen, die in kein Fach so wirklich reinpasst.

Mit viel guter Laune und Kreativität wird dem Zuschauer nahegebracht, dass auch wenn die Türen geschlossen sind, im Kühlschrank noch Licht brennt, was mit Standing Ovation vom Publikum honoriert worden ist.

This image for Image Layouts addon

B1 Zicken, Zwerge Zwischentöne

Festakt und Unterhaltung harmonisch vereint

Eine besondere Herausforderung hatten die Schülerinnen und Schüler der Richtsberg Gesamtschule Marburg mit ihrem Stück „Zicken, Zwerge, Zwischentöne“ zu bewältigen. Verbunden mit ihrer Inszenierung war gleichzeitig die An- und Zwischenmoderation des Festaktes beim diesjährigen HSTT.

Ihre Spiel- und Gesangseinlagen zwischen den Reden und Preisverleihungen hatten Episoden ihres Schul- und Lebensalltags und insbesondere ihre Wahrnehmung des Darstellenden-Spiel-Unterrichts zum Gegenstand.

Dabei schaffte es das Ensemble der Richtsberg Gesamtschule Marburg, den Festakt sehr unterhaltsam und charmant zu gestalten und dem feierlichen Anlass gleichermaßen humorvolle und besinnliche Momente zu schenken.

Niklas & Illya

This image for Image Layouts addon

B2 König Artus

Thronfolger, Zauberei und Zeitreise

Die Inszenierung ,,König Artus“ von der Erasmusschule Offenbach stellt die alte Legende des König Arturs auf lustige und zusammengefasste Weise dar. Obwohl das Stück in der Originalzeit spielt, nutzen die Darstellerinnen und Darsteller zeitgenössische Formulierungen, um es der Moderne anzupassen. Durch viele beeindruckende Momente bleibt die Aufführung leicht in Erinnerung.

Mit einer chorischen Tanzeinheit, in der Tänze vom Mittelalter bis zur Moderne repräsentiert werden, überraschen die jungen Schauspieler das Publikum. Als Zuschauer wirkt das gesamte Stück überraschend ernst und professionell für ein so junges Casting. Zudem kommt die Geschichte zum Leben mithilfe von detaillierten Kostümen und Requisiten. Außerdem erstaunten die Darsteller das Publikum mit ihrem äußerst professionellen Standbild, welches am Anfang der Aufführung zu Stande kam.

Sie verwandelten dieses klassische Stück in eine aufregende und komplett originelle Version. Die Schauspielerinnen und Schauspieler stellten die Unterschiede zwischen dem Mittelalter und der heutiger Zeit durch eine zeitreisende Figur dar. Mithilfe dieser Zeitreise erkennt man die Botschaft des Stückes als ein Vergleich zweier gegenteiliger Zeiten. Hiermit überrascht die Gruppe das Publikum und geht weit über aller Erwartungen hinaus.

Clea & Lotte

This image for Image Layouts addon

B3 Die verschwundene Kanzlerin

Tänzerisches Theater

Die Georg-Büchner-Schule aus Rüsselsheim hat heute das Theaterstück „Die verschwundene Kanzlerin“ aufgeführt, das neben der eigentlichen Geschichte auch viele tänzerische Elemente präsentiert. Die Geschichte selbst handelt von einer Kanzlerin und einem Präsidenten, die dem Stress ihres Berufes und den Klagen des Volkes entfliehen und in der Quizshow  „Setz dich“ wieder auftauchen. Die im Fernsehen ausgestrahlte Fernsehshow wird von zahlreichen Tanzelementen der Schülerinnen und Schüler begleitet. 

Das Theaterstück beginnt damit, dass der Präsident immer wieder mit Anliegen der Bürger konfrontiert wird. Sie kritisieren steigende Preise, marode Schulen, teure Wohnungen und fehlende Parkplätze. Doch nicht nur für den Präsidenten ist Stress ein täglicher Begleiter, sondern auch für die Kanzlerin. In dem Wissen, dass sie den Forderungen der Bürger nicht gerecht werden kann, verschwinden erst die Kanzlerin und dann der Präsident. Gemeinsam gründen sie eine Quizshow, bleiben aber nicht lange unerkannt. Letztlich wird auf Kosten des Präsidenten ein Urlaub für die Bürger spendiert und das Volk ist zufrieden.

Während der gesamten Aufführung wird das Publikum durch schwungvolle Tänze zum Mitklatschen animiert und die kleinen Schauspieltalente der Grundschule machten den Zuschauern viel Freude. Daneben bietet das Stück nicht nur seichte Unterhaltung, sondern behandelt aus kindlicher Sicht auch wichtige gesellschaftliche Themen, wie Glück, Zufriedenheit, Freundschaft und Liebe.

Beyza & Abdia

This image for Image Layouts addon

Interview

Das Journalismusteam des HSTT hat verschiedene Akteure der besten Theaterstücke aus Hessen befragt:

Der 3. Tag ist nun angebrochen und das bedeutet, dass die ersten Gruppen (8. bis 13. Klasse) das Festival verlassen und aus Schlitz abreisen. 

Die Interviews mit diesen Gruppen haben ergeben, dass allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Schultheatertreffen und der Aufenthalt in der Lamdesakademie sehr gefallen hat. 

Die Frage, ob sie anderen empfehlen würden hier herzukommen, beantworteten die Spieler Leon, Vanessa und Azra mit einem einheitlichen „Ja“ und genau das zeigt, wie sie das HSTT empfunden haben. 

Anfangs war ihnen gar nicht klar, dass Theater so verbinden kann und Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, solch beeindruckende Stücke vorzuführen, denn alle waren ziemlich fasziniert von jedem einzelnen Stück.

Während Leon, der in „Im Kühlschrank brennt noch Licht“ mitspielte sagte „Alles hier hat mir gefallen“, mochte die 16-jährige Azra aus Kassel, die in „Kartoffelkanacken“ mitspielte „die Vorführung der anderen Stücke  und überhaupt die Möglichkeit, hier teilzunehmen“.

 Vanessa gefiel ebenfalls die Vorführung der Stücke. Alle drei Schüler kommen aus verschiedenen Städten Hessens, spielten in verschieden Stücken, aber für alle war das HSTT eine ganz besondere Erfahrung.

This image for Image Layouts addon

B4 Lebe wohl, kleines Meerschweinchen

Viel Weisheit für kleine und große Zuschauer

Mit dem Stück „Lebe wohl, keines Meerschweinchen“ thematisiert die Theater AG der dritten und vierten Klasse der Ebelfeldschule das Thema Tod in einem für Grundschüler angemessenen Rahmen. Dabei ist die Stimmung des Stücks nicht durchgehend traurig, sondern mit Humor und Tanzeinlagen aufgelockert.

Insbesondere die Ideen der Kinder, wie sie ihren letzten Tag verbringen würden, erscheinen nicht traurig, sondern optimistisch und produzieren den ein oder anderen Lacher. Der schwungvolle Tanz und die heitere Musik zum Abschluss hinterlassen trotz des ernsten Themas ein positives Gefühl beim Zuschauer.

Die Aussage, dass das Leben kurz und schön ist und deshalb genossen werden sollte, ist nicht nur für Kinder, sondern gleichermaßen für die erwachsenen Zuschauer eine wertvolle Botschaft.

Malak, Niklas

This image for Image Layouts addon

B5 Ich bin der Stärkste im ganzen Land

Der Stärkste - bis ein Stärkerer kommt

Das Stück "Ich bin der Stärkste im ganzen Land” der Theater AG Degerfeldschule Butzbach bietet eine Neuerung im Vergleich zu den anderen Stücken des Festivals. Statt einer Konfrontationsbühne spielt das Ensemble auf einer Raumbühne, d.h. die Zuschauer sitzen ringsum die Spielfläche – teilweise sogar auf ihr.

 Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: Ein Wolf, der chorisch von drei Grundschülern dargestellt wird, spielt sich als der Stärkste im ganzen Land auf und alle Tiere, die ihm begegnen, müssen ihm huldigen. Am Ende das Stücks muss der Wolf die Erfahrung machen, dass auch für ihn etwas Bedrohliches existiert, das ihm Angst macht.

 Das Ensemble arbeitet mit einer leicht verständlichen Geschichte und einfachen, aber sehr effektvollen Mitteln. Die Sequenzen der Geschichte werden immer wieder durch Licht, Musik und Raumgänge unterbrochen und strukturiert. Ein Overheadprojektor sorgt für die unheimlichen Momente – erst für die Waldbewohner und schließlich für den Wolf. Insgesamt ein kluges, optisch und akkustisch schön gestaltetes Stück, das auf spielerische und kindgerechte Art das Thema “Bescheidenheit” aufgreift.

Matthias